Neubau als Massivhaus

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt Bauherren seit 2002 vor, welche energetischen Vorgaben ihr Haus erfüllen muss. Seitdem hat es mehrere Überarbeitungen der Verordnung gegeben, die immer einer Verschärfung der zu erreichenden Werte gleichkamen. Die aktuelle Version ist seit dem 1. Januar 2016 in Kraft und zwingt Hausbauer dazu, noch stärker auf den Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust zu achten.

Dabei wird es nicht bleiben: Bis 2021 sollen in allen EU-Mitgliedsstaaten Neubauten nur noch nach dem Niedrigstenergiestandard errichtet werden. Dieser Haustyp ist in der entsprechenden EU-Gebäuderichtlinie zwar nicht konkret definiert, aber einen Hinweis darauf, was damit gemeint ist, liefert diese Formulierung: „Der fast bei null liegende oder sehr geringe Energiebedarf sollte zu einem ganz wesentlichen Teil durch Energie aus erneuerbaren Quellen – einschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen, die am Standort oder in der Nähe erzeugt wird – gedeckt werden“.

Primärenergieverbrauch und Transmissionswärmeverlust – böhmische Dörfer oder klare Vorgaben?

Hinter diesen beiden sperrigen Begriffen verbergen sich die zentralen Messgrößen, ohne die die EnEV nicht auskommt.

Primärenergieverbrauch

Der Primärenergieverbrauch wird üblicherweise immer auf das ganze Jahr hochgerechnet und darum häufig auch als Jahres-Primärenergieverbrauch bezeichnet. Er weist denjenigen Energiebedarf aus, der zur Erzeugung von Heizwärme und Warmwasser benötigt wird und bezieht auch die Verluste mit ein, die innerhalb der Anlage für die Gewinnung, Umwandlung und Verteilung des Energieträgers entstehen. Die Berechnung erfolgt gem. DIN 4701-10, die Bezugseinheit ist kWh/a.

Transmissionswärmeverlust

Die Menge der Heizwärme, die durch die geschlossene Hüllfläche, also die Außenwände, Fenster, Außentüren und das Dach, entweicht, wird als Transmissionswärmeverlust bezeichnet. Auch hierfür gibt es eine standardisierte Formel, die den Wärmeverlust pro Quadratmeter Außenwand angibt; die Bezugsgröße ist hier Watt (W). Der Transmissionswärmeverlust wurde bis vor einigen Jahren als sog. k-Wert dargestellt, heute wird der U-Wert verwendet.

Sind Wärmepumpe und Solaranlage Pflicht?

Sieht man sich die Verkaufsprospekte von Baufirmen oder Heizungsherstellern an, kann durchaus der Eindruck entstehen, dass das Heil auf dem Weg zur Erreichung der EnEV-Vorgaben ausschließlich im Einsatz von erneuerbaren Energien und einer möglichst effektiven Wärmedämmung der Außenwände liegt.

Doch der Blick in die EnEV zeigt, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, die Anforderungen zu erfüllen.Dort wird ausgeführt, dass der Jahres-Primärenergiebedarf maximal den eines Referenzgebäudes, das über die gleiche Geometrie, Ausrichtung und Nutzfläche verfügt, erreichen darf. Die genauen Eckdaten sind der Tabelle 1 in der Anlage 1 zu entnehmen. So lässt sich beispielsweise für die Außenwand eines Referenzgebäudes einschließlich der Einbauten ein U-Wert von 0,28 W/(m2 K) oder für das Dach und die oberste Geschossdecke ein U-Wert von 0,2 W/(m2 K) ablesen.

Die EnEV folgt bei der Berechnung des Primärenergiebedarfs wie oben erwähnt auch der Überlegung, dass das Heizen und die Bereitstellung von warmem Wasser beim Einsatz von fossilen Energieträgern sowohl für die Erzeugung als auch den Transport zusätzliche Energie benötigt. Dieser Umstand führt dazu, dass mit Erdöl und Erdgas betriebene Heizungsanlagen in der Bedarfsrechnung ungünstig zu Buche schlagen, während sich dagegen erneuerbare Energieträger einschließlich Blockheizkraftwerke, die in der Nähe des Gebäudes Strom und Wärme herstellen, positiv auswirken.

Daraus folgt: Es gibt kein striktes Muster, mit welchen „Bausteinen“ es Bauherren schaffen, ihr Haus entsprechend der EnEV auszustatten, sondern der Mix muss in der Summe für das ganze Haus dazu führen, dass die Vorgaben eingehalten werden. Wird also ein deutlicher Schwerpunkt auf den Einsatz von erneuerbaren Energien gelegt, sinken die Anforderungen an anderer Stelle wie z. B. der Wärmedämmung. Laien ist es allerdings nur schwer und mit einem unverhältnismäßig großen Aufwand möglich, sich selbst durch das EnEV-Regelwerk zu arbeiten. Dies sollte einem Experten überlassen werden. Auch bei der Wahl der für das Gebäude passenden technischen Ausstattung sollte auf seinen Rat nicht verzichtet werden.

Wenn jetzt wieder nach Brüssel und auf die strengen EU-Richtlinien gezeigt wird, dann sei auf einen wichtigen Satz in der EU-Gebäuderichtlinie hingewiesen: „Ein Mitgliedsstaat ist nicht verpflichtet, Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz festzulegen, die über die geschätzte wirtschaftliche Lebensdauer nicht kosteneffizient sind.“ Alle getroffenen Maßnahmen müssen sich also letztendlich auch amortisieren und dürfen für den Bauherren nicht zu einem Verlustgeschäft führen.

 

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