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Natürlich leben gewinnt an Bedeutung. Diese Maxime macht auch vor dem Hausbau nicht halt, sodass natürliche Baustoffe zunehmend beliebter werden. Bei den Dämmstoffen gehört Hanf zu den besonders natürlichen Varianten. Sehr gute Wärmedämmeigenschaften und ein hoher Hitze- und Schallschutz machen die Hanfdämmung zu einem idealen Baustoff für modernes, ökologisches Bauen.

Hanfdämmung – die wichtigsten Grundlagen

Hanf als Ausgangsmaterial für die Hanfdämmung ist eine sehr alte Kulturpflanze. In der Vergangenheit haben die Fasern der Pflanze sich schon in zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten etablieren können. Ob zu Seilen oder Papier, zu Textilien, zu Dichtungsmaterial oder Dämmstoff verarbeitet – Hanf ist vielseitig nutzbar. Hanfsorten, die arm an Tetrahydrocannabinol (THC) sind, sind bereits seit Mitte der 1990er Jahre sogar gesetzlich zum Anbau zugelassen.

Hanf als natürlicher Dämmstoff punktet mit einem recht günstigen Preis von 10 bis 27 Euro pro Quadratmeter und einer Rohdichte zwischen 30 und 42 Kilogramm pro Kubikmeter. Zudem weist er eine Wärmeleitfähigkeit von 0,04 bis 0,045 W/mK auf. Um Hanf als Dämmstoff zu nutzen, werden die Stängel der Hanfpflanzen verwendet.

Die Fasern werden ähnlich wie bei der Flachsdämmung durch das Wirrfaser-Verfahren verarbeitet. Zunächst werden die Hanffasern geröstet, anschließend gebrochen, geschlagen und gekämmt. Bei diesem Verfahren entstehen Lang- und Kurzfasern, wobei Erstere als werthaltiger gelten. Für die Herstellung der Hanfdämmung können ausschließlich Kurzfasern, aber auch Mischungen aus Lang- und Kurzfasern genutzt werden. Die Verholzung der Hanffasern ist recht groß, wodurch die Fasern selbst größer und steifer werden. Das wiederum führt zu einer geringeren Reißfestigkeit.

Zusatzstoffe und Varianten der Hanfdämmung

Um eine Hanfdämmung in der Baustoffklasse E für normal entflammbare Baustoffe eingliedern zu können, müssen die Hanffasern mit Borsalzen als Flammschutzmittel versehen werden. Einige Hersteller setzen als Brandschutzmittel das deutlich unbedenklichere Ammoniumsalz ein. Dieses Salz ist auch ein Bestandteil mancher Backpulver. Polyesterfasern werden in einigen Dämmstoffen aus Hanf als Stützmaterialien eingesetzt. Alternativ können natürlich auch Naturfasern genutzt werden, etwa Maisstärke oder Jute. Diese Variante der Hanfdämmung hat dann den Vorteil, wirklich 100 Prozent natürlich zu sein. Ein Masseanteil von 0,7% ist ausreichend um im Verbund mit Armierung und Putz die Brandschutzklasse B zu erreichen.

Hanfdämmungen sind im Handel als Dämmplatten und Dämmmatten, als Vliese, Filze und lose Fasern erhältlich. Bei Letzteren spricht man auch vom Stopfhanf. Teilweise kann man Hanf auch in Verbundbaustoffen finden. So wird die Hanffaser zum Beispiel mit Lehm kombiniert. Lediglich als Putzträger für Wärmedämmverbundsysteme kommt Hanf nicht infrage. Die Materialfestigkeit ist hierfür zu gering.

Die wichtigsten bauphysikalischen Eigenschaften der Hanfdämmung

Die Hanfdämmung weist eine Wärmeleitfähigkeit von 0,04 bis 0,045 W/mK auf. Damit liegt sie im durchschnittlichen Mittel der natürlichen Dämmstoffe. Zudem ist Hanf mit einer Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von eins bis zwei versehen. Somit gilt die Hanfdämmung als sehr diffusionsoffen und kapillaraktiv. Altbausanierungen und Sanierungen denkmalgeschützter Gebäude, die auf eine sehr gute Feuchtigkeitsbalance beim Dämmstoff angewiesen sind, sind also mit der Hanfdämmung problemlos machbar. Zudem bietet die Naturfaser einen effizienten Hitze- und Schallschutz.

Wo werden Hanfdämmungen häufig eingesetzt?

Aufgrund der verschiedenen Varianten, in denen Hanfdämmungen angeboten werden, lassen sie sich auch vielseitig einsetzen. Beispielhaft seien hier folgende Anwendungen erwähnt:

  • Fassadendämmung
  • Dachdämmung
  • Trittschalldämmung von Decken
  • Innendämmung der Außenwände
  • Wärme- und Schalldämmung der Wände in Innenräumen
  • Hohlraumdämmung

Als Fassadendämmung eignet sich Hanf vor allem für hinterlüftete Fassaden. Einige Hersteller des natürlichen Dämmstoffs bieten sogar spezielle Holzkonstruktionen an, die später als Trägerelemente für die Hanfdämmplatten genutzt werden können. Im Bereich der Dachdämmung werden vor allem Hanfmatten und Hanfvliese eingesetzt. Sie sind sehr flexibel und können daher vor allem bei der Unter- und Zwischensparrendämmung genutzt werden. Wird bei der Sanierung eines Altbaus die Innendämmung der Außenwände nötig, kann Hanf hier ebenfalls überzeugen, da der natürliche Dämmstoff diffusionsoffen und kapillaraktiv ist.

Für die Hohlraumdämmung mit Hanf kommt vor allem der Stopfhanf zum Einsatz. An kleineren Hohlräumen, wie an Fenstern und Türen, lässt er sich ideal einsetzen. Begrenzte Risse in nicht tragenden Wänden im Altbau können ebenfalls mit Stopfhanf gedämmt werden. Für die Dämmung der obersten Geschossdecke können bitumierte Schüttdämmungen auf Hanf-Basis genutzt werden.

Vor- und Nachteile der Hanfdämmung

Bevor die endgültige Entscheidung für oder gegen die Hanfdämmung getroffen wird, sollten Bauherren sich in jedem Fall über die individuellen Vor- und Nachteile dieses Dämmstoffs informieren.

Vorteile

  • sehr gute Wärmedämmung
  • hoher Schall- und Hitzeschutz
  • diffusionsoffen und kapillaraktiv
  • leicht zu verarbeiten mit Holzwerkzeug
  • enthält keine Schadstoffe/natürlicher Dämmstoff
  • recycelbar
  • geringe Kosten und Mindestdämmdicke
  • durch hohe Elastizität passen sich Dämmplatten, Dämmmatten und Vliese verschiedenen baulichen Gegebenheiten an
  • hohe Resistenz gegen Witterung und Feuchtigkeit, Schimmel- und Schädlingsbefall
  • hohe Lebensdauer – etwa zehn Mal so lang wie Mineralwolldämmung
  • gesundheitlich unbedenklich
  • sehr gute Ökobilanz

Nachteile

  • Brandschutz nur eingeschränkt
  • nur eingeschränkt mechanisch belastbar, dadurch geringere Einsatzmöglichkeiten

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