Neubau als Massivhaus

Zu den natürlichen Dämmstoffen, die an Bedeutung gewinnen, gehört auch die Schilfdämmung, die aus Schilfrohr entsteht. Das Schilfrohr ist diffusionsoffen und weist von Haus aus sehr gute Wärmedämmeigenschaften auf. Der Schall- und Hitzeschutz, den eine Schilfdämmung mit sich bringt, weiß ebenfalls zu überzeugen.

Das Ausgangsprodukt Schilf gehört zu den Süßgräsern. Es kommt weltweit vor, allerdings in verschiedenen Arten. Bereits seit der frühen Steinzeit wird Schilf als Baustoff eingesetzt und auch heute erfreut sich die Schilfdämmung aufgrund des Trends hin zu ökologischen Bauweisen einer wachsenden Beliebtheit. Allerdings hat Schilf bisher noch keine bauaufsichtliche generelle Zulassung als Dämmstoff erhalten. Daher ist stets eine Einzelfallentscheidung erforderlich, soll dieser natürliche Dämmstoff verwendet werden.

Die Schilfdämmung wird in die Baustoffklassen D s1 dO bis E eingestuft und gilt damit als normal entflammbar. Die Rohdichte des Dämmstoffs beträgt 225 Kilogramm je Kubikmeter, die durchschnittlichen Preise sind mit 10 bis 20 Euro recht günstig.

Schilf als Dämmstoff – die wichtigsten Grundlagen

Um eine Schilfdämmung zu erhalten, werden lange und dicke Schilfrohre als Ausgangsmaterial genutzt. Dünne Schilfrohre kommen seltener zum Einsatz, sie werden eher für die Eindeckung des Dachs mit Reet verwendet. Die übrigen Bestandteile des Schilfrohrs werden für die Herstellung von Schilfgranulat und Schilffaserplatten verwendet.

In den Halmen des Schilfrohrs ist Luft eingeschlossen, die Blätter selbst bestehen zu 85 Prozent aus einem schwammigen Gewebe. Dieses ist ebenfalls in der Lage, Luft einzuspeichern. Dadurch kann Schilf seine guten Wärmedämmeigenschaften erreichen.

Schilfdämmung – diese Varianten sind erhältlich

Die Schilfdämmung tritt in drei verschiedenen Varianten auf:

  1. Schilfrohrdämmung
  2. Schilffaserplatten
  3. Schilf-Einblasdämmung

Die Schilfrohrdämmung als klassische Schilfdämmung entsteht aus den Rohrhalmen der Pflanze, die mechanisch gepresst und mit verzinkten Stahldrähten zu einer Dämmplatte verarbeitet werden. Diese Dämmplatte ist zwar fest, aber elastisch und zwischen zwei und zehn Zentimeter stark. Die Schilffaserplatten werden aus den Rohrkolben-Schilffasern und den Bindefasern auf Basis von Maisstärke hergestellt. Sie werden zu einem Vlies gestreut. Anschließend wird heiße Luft daraufgegeben und beim Abkühlen können die einzelnen Fasern sich zu festen, stabilen Platten mit einer gewissen Grundelastizität entwickeln. Schilf als Einblasdämmung entsteht dagegen aus den Schilfblättern, die aufgefasert wurden oder aus Schilffaser-Granulat.

Die Preise pro Quadratmeter Schilfdämmung liegen zur Zeit bei etwa 10 bis 20 Euro. Damit gehört auch die Schilfdämmung zu den günstigen natürlichen Dämmstoffen und es gibt kaum Unterschiede zur klassischen Dämmung mit Mineralwolle oder Ähnlichem. In der Regel werden Schilfdämmungen von auf ökologische Baustoffe spezialisierten Herstellern auf den Markt gebracht. Einige Firmen bieten sogar Wärmedämmverbundsysteme auf Basis von Schilf und Lehm an.

Die wichtigsten bauphysikalischen Eigenschaften der Schilfdämmung

Die Schilfdämmung weist sehr gute bauphysikalische Eigenschaften auf. So ist die Wärmeleitfähigkeit mit lediglich 0,04 bis 0,055 W/mK angegeben. Allerdings ist diese Wärmeleitfähigkeit im Vergleich zu klassischen Mineralwolle-Dämmungen etwas geringer angesiedelt. Dafür bietet die Schilfdämmung jedoch deutlich bessere Schall- und Hitzeschutzwerte.

Wie bei der Strohdämmung, so weist auch die Schilfdämmung eine Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von eins bis zwei auf. Damit eignen sich Schilfdämmungen vor allem für all jene Bauten, bei denen die Dämmschicht eine wirkungsvolle Feuchtigkeitsregulierung mit sich bringen sollte.

Wo werden Schilfdämmungen häufig eingesetzt?

Schilfdämmungen lassen sich sehr vielseitig einsetzen. So eignen sie sich unter anderem zur

  • Fassadendämmung,
  • Dachdämmung,
  • Deckendämmung,
  • Bodendämmung,
  • Hohlraumdämmung,
  • Wärmedämmung in Innenräumen oder
  • Schalldämmung in Innenräumen.

Lediglich als Perimeter- und Kerndämmung ist der Dämmstoff Schilf nicht geeignet. Bei Wärmedämmverbundsystemen sollten Schilfdämmungen nicht im Sockelbereich eingesetzt werden. Dafür können sie auch als Trennwandsysteme und Unterputzgewebe verwendet werden. Bei der Fassadendämmung kann der natürliche Dämmstoff Schilf sowohl zur Außen- als auch zur Innendämmung verwendet werden. Im Bereich der Dachdämmung lässt sich Schilf als witterungsgeschützte Außendachdämmung und zur Zwischensparrendämmung einsetzen. Sollen Böden und Wände mit Schilf gedämmt werden, so ergibt sich daraus nicht nur eine Wärme-, sondern gleichzeitig auch eine Trittschalldämmung. Für die Dämmung der obersten Geschossdecke eignet sich der natürliche Dämmstoff Schilf ebenfalls sehr gut.

Vor- und Nachteile der Schilfdämmung

Auch die natürliche Schilfdämmung weist einige Vor- und Nachteile auf, die nachfolgend näher beleuchtet werden sollen.

Vorteile

  • hoher Schall- und Hitzeschutz
  • diffusionsoffen und kapillaraktiv
  • resistent gegenüber Feuchtigkeit und Schimmelbildung
  • eignet sich für Wärmedämmverbundsysteme
  • günstige Preise
  • leicht zu verarbeiten
  • enthält keine Schadstoffe/natürlicher Dämmstoff
  • lässt sich einfach entsorgen, recyceln und kompostieren

Nachteile

  • leichter brennbar als andere Dämmstoffe
  • Verwendung muss im Einzelfall genehmigt werden

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