Neubau als Massivhaus

Wer auf der Suche nach einem natürlichen Dämmstoff für sein Bauvorhaben ist, findet im Seegras einen absolut natürlichen und ökologischen Dämmstoff. Im Fachhandel wird die Seegrasdämmung auch als Neptutherm angeboten. Die Wärmedämmeigenschaften sind sehr gut und auch Schall- und Hitzeschutz bietet Seegras.

Seegrasdämmung – die wichtigsten Grundlagen

Seegras ist bereits seit jeher als Baustoff und Flechtmaterial für verschiedene Alltagsgegenstände bekannt. Vor allem in den Mittelmeerländern wurde Seegras seit Urzeiten eingesetzt. Um die Wärmedämmung im Haus mit Seegras zu realisieren, wird die Seegrasart „Posidonia oceanica“ verwendet. Die oftmals verfilzten Wurzel- und Faserreste der Wasserpflanze kommen dabei zum Einsatz. Sie werden auch als Neptunbälle bezeichnet und an vielen Stränden entlang des Mittelmeers angespült. In der Regel importiert man in Deutschland Seegras aus Tunesien und Albanien.

Entdeckt wurde Seegras als Dämmstoff für den mitteleuropäischen Markt übrigens vom Architektur-Professor Richard Meyer aus Karlsruhe. Er hat aus den Neptunbällen die Dämmwolle entwickelt und sie auf den Namen „Neptutherm“ getauft. Seegras ist dabei grundsätzlich zur Wärmedämmung von Gebäuden zugelassen, es bedarf also keiner bauaufsichtlichen Einzelgenehmigung, wie es etwa bei Schilfdämmungen der Fall ist. Positiv zu erwähnen ist, dass auch die Seegrasdämmung ohne jegliche Zusatzstoffe auskommt, was dem ökologischen Hausbau zugutekommt. Selbst auf die oft eingesetzten Borsalze zum verbesserten Flammschutz kann bei Seegrasdämmungen verzichtet werden.

Die Seegrasdämmung wird der Baustoffklasse E für normal entflammbare Baustoffe zugeordnet. Sie weist eine Rohdichte von 75 Kilogramm je Kubikmeter auf, ist allerdings mit 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter nicht ganz so günstig wie alternative natürliche Dämmstoffe.

Herstellung und Varianten der Seegrasdämmung

Wie bereits erwähnt, hat Professor Richard Meyer die Seegrasdämmung erfunden. Dafür ließ er zunächst Proben der Neptunbälle mit zwei bis zehn Zentimetern Größe vom Faunhofer-Institut für Bauphysik untersuchen. Im Ergebnis zeigte sich: Die silikathaltige Struktur der Neptunbälle weist sehr gute Wärmespeicherfähigkeiten auf. Zudem ist das Material schwer entflammbar und äußerst resistent gegen Schimmel. Für die Herstellung der Seegrasdämmung bzw. Neptutherm-Dämmwolle werden die Seegraskugeln zunächst mechanisch gereinigt und anschließend zu Wollfasern zerkleinert.

Im Handel ist die Seegrasdämmung ausschließlich in Form loser Dämmwolle erhältlich. Schütt-, Stopf- und Einblaswolle sind zu finden, die Einteilung erfolgt anhand der jeweiligen Fasergröße. In der Theorie wäre Seegras zwar auch zu Dämmmatten verarbeitbar, diese spielen jedoch im Handel aktuell keine Rolle. Dämmplatten sind ebenfalls denkbar, an deren Entwicklung arbeitet man allerdings noch.

Die Kosten sind etwas höher als bei klassischen Dämmstoffen. Dafür punktet die Seegrasdämmung mit der 100 Prozent ökologischen Qualität. Trotzdem macht die Neptutherm-Dämmwolle bisher nur einen sehr geringen Marktanteil aus.

Die wichtigsten bauphysikalischen Eigenschaften der Seegrasdämmung

Die Seegrasdämmung weist eine Wärmeleitfähigkeit von 0,04 bis 0,045 W/mK auf. Damit ist sie etwa mit Steinwolle im unteren Bereich vergleichbar. Allerdings ist der Schall- und Hitzeschutz mit diesem natürlichen Dämmstoff deutlich verbessert. Wie bei den meisten anderen natürlichen Dämmstoffen ist auch die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von Seegras mit eins bis zwei bewertet worden. Das heißt, es ist diffusionsoffen und kapillaraktiv. Zusätzlich weiß Seegras mit seiner Feuchtigkeitsresistenz zu überzeugen. Dadurch ist es besonders gut für den Einsatz bei Altbausanierungen geeignet.

Wo werden Seegrasdämmungen häufig eingesetzt?

Heute wird der natürliche Dämmstoff Seegras nur selten bei großen Bauprojekten eingesetzt. Vorwiegend im individuellen Hausbau findet Seegras seinen Einsatz. Da aber die Dämmwolle Neptutherm besonders vielseitig nutzbar ist, kann sie ebenso vielseitig eingesetzt werden, etwa zur

  • Fassadendämmung,
  • Dachdämmung,
  • Deckendämmung,
  • Bodendämmung,
  • Hohlraumdämmung,
  • Dämmung von Fertighäusern aus Holz,
  • Dämmung von Häusern in Holzrahmen-/Holztafelbauweise,
  • Dämmung gegen Schall und Wärme in Innenräumen.

Bei der Fassadendämmung kommt Seegras sowohl als Außendämmung wie auch als Innendämmung der Außenwände zum Einsatz. Bei der Dämmung im Dach ist Seegras vor allem für die Zwischensparrendämmung geeignet. Die Boden- und Deckendämmung mit Seegras ist zum Beispiel als Schüttdämmung möglich. Hierzu ergibt sich noch der Vorteil einer gleichzeitig entstehenden Trittschalldämmung. Mit oder ohne Abdeckung kann der natürliche Dämmstoff Seegras zudem zur Wärmedämmung für die oberste Geschossdecke eingesetzt werden.

Vor- und Nachteile der Seegrasdämmung

Seegras als natürlicher Dämmstoff erfreut sich großer Beliebtheit, bietet auch zahlreiche Vorzüge. Dennoch sollte man sich vor der Entscheidungsfindung mit den besonderen Vor- und Nachteilen dieses Dämmstoffs näher auseinandersetzen.

Vorteile

  • sehr guter Schall- und Hitzeschutz
  • schlecht entflammbar, trotz fehlendem zusätzlichem Flammschutz
  • diffusionsoffen und kapillaraktiv
  • einfache Verarbeitung
  • enthält keine Schadstoffe/natürlicher Dämmstoff
  • einfach zu entsorgen, teilweise kompostierbar
  • hochresistent gegen Schimmelbildung und Feuchtigkeit sowie Schädlingsbefall
  • geringer Energiebedarf für Beschaffung und Produktion, im Schnitt 30 Prozent niedriger als bei anderen Dämmstoffen

Nachteile

  • hoher Anschaffungspreis
  • derzeit nur ein Hersteller auf dem deutschen Markt -> wenig Konkurrenz und Preisdruck

© 2017 massivhaus-neubau.de